DeFi Decentralized Finance
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DeFi, oder auch Decentralized Finance, steht für die Verbindung von klassischen Finanzprodukten und Finanzkonzepten, wie man sie aus dem Bankenwesen kennt, in Verbindung mit der Blockchain-Technologie. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, altbekannte Prinzipien in die Welt der Kryptowährungen und deren Distributed Ledger Technologie zu übertragen. Mit DeFi wird deshalb auf verschiedenste Instrumente wie den Währungstausch, auf Anleihen und Darlehen zurückgegriffen.

DeFi

Was genau ist DeFi (Decentralized Finance)?

Das Potential dieser Sparte ist sehr vielversprechend, das hat 2019 für einen kleinen Boom bei Applikationen im DeFi-Sektor gesorgt. Im Jahr 2020 hat sich dieser nochmals verstärkt und es wird davon ausgegangen, dass dieser auch weiterhin anhält.
Der Begriff DeFi bedeutet nicht immer nur das bereits beschriebene, dieser erfasst nämlich alle Transaktionen (im DLT-Bereich) mit monetärem Bezug. Daher ist der Begriff eher synonym mit Open Finance. Im engeren Sinne werden jedoch die oben genannten Anwendungsfälle damit bezeichnet.

Doch weshalb möchte man das klassische Finanzwesen mit der Blockchain verbinden? Zu Beginn des Bitcoins im Jahr 2008, war dieser dafür gedacht, der Finanzwelt eine völlig neue Alternative zu bieten. Heute rund 12 Jahre später, haben Bitcoin und andere dezentrale Digitalwährungen ihren festen Platz im globalen Wettbewerb wenn es um Transaktionen geht. Die weitreichende Adaption hat bisher allerdings noch nicht stattgefunden, genau das könnte sich mit DeFi aber ändern. Denn viele Konzepte im Bereich des Banking finden seit vielen Jahrhunderten eine erfolgreiche Anwendung. So gibt es in diesem Bereich viele legitime Finanzprodukte wie zum Beispiel das Aufnehmen von Krediten, um zu investieren oder um kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten zu überbrücken.
Diese müssen nicht grundlegend geändert werden und DeFi kommt genau hier ins Spiel.

Diese Konzepte sollen nämlich nach und nach in den Blockchain-Bereich integriert und mit entsprechenden Produkten weiter ausgebaut werden. So können Nutzer künftig vom Besten aus beiden Seiten profitieren, das macht zugleich die langfristige Anlage in Kryptowährungen interessant. Die Krypto-Coins müssen also in Zukunft an Nutzen gewinnen, das soll durch den Einsatz von DeFi gelingen.

Hierbei sollen auch sogenannte „Smart Contracts“ also smarte Verträge zum Einsatz kommen. Es handelt sich hierbei um eine Blockchain-basierte-Technologie, in den Smart Contracts gibt es eine vertragliche Regelung die als Code aufgeschrieben wird.
Dieser folgt einer konditionalen Logik, werden also bestimmte Voraussetzungen erfüllt, dann tritt eine bestimmte Vertragsklausel automatisch in Kraft. Es wird deshalb wie normalerweise üblich keine dritte Instanz benötigt, denn die Technologie selbst sorgt für die Einhaltung des Vertrags. Von dieser Technologie wird sich eine Erleichterung der Geschäftsvorgänge erhofft und zudem eine höhere Vertragssicherheit. Das stellt einen wichtigen Punkt im DeFi-Bereich für funktionierende und sichere Transaktionen dar.

Welche Arten und Möglichkeiten von DeFi gibt es?

Im dezentralen Finanzsektor gibt es unterschiedliche Anwendungen. Ein großer Teil der Nutzer schätzt die Möglichkeit, mit DeFi-Anwendungen Geld zu verdienen. Jede Anwendung im DeFi-Sektor findet ihr Pendant im klassischen Finanzsektor.

Defi Lending

Das Lending – Der dezentrale Kreditmarkt

Zu den größten DeFi-Protokollen zählen Compound oder MakerDAO und diese haben eines gemeinsam: der Haupt-Anwendungsfall ist auf dem Lending und Borrowing aufgebaut, zu deutsch Leihen und Verleihen. Es werden in diesem Fall Token/Coins verliehen, für die der Verleiher im Gegenzug Zinsen bekommt, also ganz wie im klassischen Finanzsektor auch. Hierfür wird aber keine Bank benötigt, denn das Netzwerk selbst, wickelt aufgrund des dezentralen Kreditprotokolls alle Geschäfte ab. Die eigenen Token werden für andere Teilnehmer zur Verfügung gestellt, im Gegenzug gibt es Zinsen auf die ausgeliehenen Token. Eine einfache Abwicklung für „Kreditnehmer“ und „Kreditgeber“ über Decentralized Finance.

defi staking

Das Staking – Mining-Alternative als Einnahmequelle

Das sogenannte „Mining“ ist mittlerweile sehr aufwändig geworden. Hohe Stromkosten und teure Hardware wird für das Bitcoin-Mining heutzutage benötigt. Doch eine ebenso gute und effektive Einnahmequelle stellt das „Staking“ dar. Beim Staking stellt man seine Kryptowährung dem Netzwerk zur Verfügung. Im Gegensatz zum Lending wird also kein Kredit vergeben, das Netzwerk wird lediglich durch die Hinterlegung der jeweiligen Kryptowährung abgesichert. Als Gegenleistung dafür, gibt es für die Staker Zinserträge, die in der jeweiligen Kryptowährung ausgezahlt werden. Wie hoch der jeweilige Staking Reward (Zins) ausfällt, kann man auf eigenen Webseiten einsehen.

defi yield farming

Das Yield Farming

Wenn Nutzer Token gegeneinander tauschen, funktioniert das nur, wenn andere Nutzer diese Liquidität zuvor bereitgestellt haben. Nutzer werden mit einem gewissen Teil der Transaktionsgebühren belohnt. Bei Yield Farming ist das Ziel das Maximum an Rendite herauszuholen.

defi liquidity mining

Das Liquidity Mining

Hierbei werden für Nutzer einer bestimmten Defi Applikation Token verteilt. Diese Token berechtigen die Nutzer zu einem späteren Zeitpunkt, zu Anteilen an den Einnahmen. Mit den Token nimmt man sozusagen an einem Projekt teil, der Nutzer erhält einen kleinen Anteil an einem Unternehmen für die Nutzung der Applikation.

defi derivates bonds

Derivate im DeFi-Sektor

Wie im klassischen Finanzsektor, gibt es auch im DeFi-Sektor Finanzderivate. Das ist besonders für jene Nutzer interessant, die auch mit herkömmlichen Optionen, Futures oder anderen Finanzprodukten handeln. Das ist mit Decentralized Finance auch in einer dezentralen Marktumgebung möglich. Im Prinzip können alle Basiswerte wie Gold oder Bitcoin, durch Derivate im DeFi-Sektor abgebildet werden. Somit öffnet sich für alle Nutzer der Decentralized Finance eine ganz neue Welt, die es so vorher nur im traditionellen Sinne gab.

defi virtual stock market

Dezentrale Börsen – Krypto-Handel ohne Mittelsmann

Dezentrale Börsen haben niemals Zugriff auf Vermögenswerte der Trader. Das ist bei traditionellen Börsen nicht so, denn hier gibt es eine zentrale Instanz. Auf dezentralen Börsen gibt es das nicht und somit kann keine zentrale Instanz gehackt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Guthaben auf dezentralen Börsen besonders sicher und gut aufgehoben sind. Die Anmeldung auf dezentralen Börsen funktioniert meist sehr schnell und digitale Assets können gleich danach gehandelt werden.

defi payment

Payments im DeFi-Sektor

Für die Zahlungsabwicklung im dezentralen Bereich gibt es bereits DeFi-Anwendungen. Auf den meisten Blockchains wie die von Ethereum oder Bitcoin, können Transaktionen nicht besonders schnell abgewickelt werden. Darüber hinaus können diese nur begrenzt skaliert werden, aus diesem Grund wird nach Alternativen gesucht. Zu diesen Alternativen zählen unter anderem sogenannte „Second-Layer-Lösungen“, hier ist die Rede von zusätzlichen Zahlungsinfrastrukturen. Um sich das bildlich vorzustellen kann man sagen, dass diese sozusagen auf die eigentliche Blockchain „draufgesetzt“ werden. Mit diesem Vorgehen ist es „Off Chain“ möglich, mehr Transaktionen viel schneller abzuwickeln. Zu den bekanntesten dürfte das „Bitcoin Lightning Network“ gehören.

Chancen und Risiken von DeFi

Die Vorteile von DeFi

  • Der traditionelle Finanzsektor ist exklusiv und Menschen ohne Bankkonto werden praktisch ausgeschlossen. Eine Zugangsbeschränkung gibt es bei Decentralized Finance nicht.
  • Es gibt keine regulatorischen Beschränkungen und Öffnungszeiten wie im traditionellen Finanzsektor gibt es nicht. Das Handeln mit Assets ist sieben Tage die Woche möglich.
  • Einer der größten Vorteile ist der besonders hohe Schutz der Privatsphäre. Es werden keinerlei Daten durch Dritte verarbeitet, bei gleichzeitig hoher Transparenz, durch Transaktionen die öffentlich einsehbar sind.
  • Kostenintensive Finanzintermediäre fallen weg und somit werden Kosten für Finanzdienstleistungen deutlich gesenkt. Der Automatisierungsgrad ermöglicht eine schnelle Abwicklung.
  • Dieser Markt ist noch relativ neu und steht gerade erst am Anfang. Gerade im DeFi-Sektor gibt es daher besonders hohe Rendite-Chancen.

Die Nachteile und Risiken

  • Decentralized Finance befindet noch ganz am Anfang in seiner Entwicklung. Es kann auf noch fast keine Erfahrungswerte zurückgeblickt werden und es gibt noch keine Langzeitbeobachtungen wie sich dieser Sektor über lange Zeit entwickelt. Die möglicherweise hohen Renditen bedeuten also zugleich ein hohes Risiko.
  • Smart Contracts können fehlerhaft sein und sind im schlimmsten Fall anfällig für Hackerangriffe. Wenn es um technische Lösungen geht, sind diese zur Zeit noch unausgereift und teilweise bedienerunfreundlich.
  • Eigenverantwortung hat zwar seine Vorteile, doch dies kann gleichzeitig auch ein Nachteil sein. Jeder Nutzer ist für die Verwahrung seiner Token selbst zuständig, es gibt keine Bank oder eine andere Institution, die im Falle des abhandenkommen der Token geradesteht.
  • Gegenwärtig herrscht noch eine mangelnde Regulierung in diesem Bereich. Es gibt keinen Verbraucherschutz und das kann sich zum Nachteil der Rechtssicherheit bei dezentralen Geschäften auswirken. Reine Spekulation sowie Blasenbildung bei gewissen Assets, kann sich in diesem Fall besonders schnell ausbreiten.

Fazit

Gerade im dezentralen Kreditsektor, lassen sich mit dem „Lending“ meist sehr hohe Renditen erzielen. Werden also Token hinterlegt und gleichzeitig verliehen, so konnten Nutzer dieses Systems in der Vergangenheit hohe Renditen einfahren. Doch der Markt ist noch sehr unausgereift und deshalb gilt: Nur so viel investieren, wie man auch bereit ist zu verlieren. Sehr empfehlenswert (wie im klassischen Finanzsektor auch), ist eine breite Streuung der Assets, am besten nicht alles auf ein Unternehmen oder Produkt setzen.

Besonders beliebt war in letzter Zeit die Spekulationsmethode des Liquidity Mining und Yield Farming. Der DeFi-Sektor ist aktuell noch sehr Komplex und für „Normalnutzer“ schwer einzuschätzen. Dennoch sollte man seine Coins nicht einfach an ein Wallet binden, sie über DeFi-Anwendungen einzusetzen und dafür gegebenenfalls Zinsen zu erhalten macht mehr Sinn. In Zukunft werden all diese Möglichkeiten und Kanäle, sehr wahrscheinlich eine Verbindung zwischen der traditionellen Finanz- und der Blockchain-Welt herstellen.


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